Recruiting und Mitarbeiterbindung sind keine Selbstläufer mehr

Im Gespräch über Personalmanagement

Experte Rudi Bauer (Managing Director Austria / Chief Evangelist, StepStone Österreich GmbH) im Gespräch mit Harald Rametsteiner (Leiter Master Lehrgang Digital Marketing) und Monika Kovarova-Simecek (Studiengangsleiterin Master Studiengang Wirtschafts- und Finanzkommunikation):

Wie schätzen Sie die Entwicklung im Berufsfeld Personalmanagement ein? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung in der Personalführung?

Das Berufsfeld an sich und die Arbeitsweise des Personalmanagers haben sich in den letzten Jahren enorm verändert und sie werden es weiterhin. Das liegt zum einen an der Digitalisierung, zum anderen aber auch daran, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt und der Stellenwert von Arbeit sich stark verändert hat: Die Fachkräftenachfrage ist aktuell so hoch wie nie und wir haben es zunehmend mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun. Das bedeutet, dass Fachkräfte über ihren Marktwert sehr genau Bescheid wissen und sich Arbeitgeber bei Bewerbern bewerben müssen. Recruiting und Mitarbeiterbindung sind keine Selbstläufer mehr, wie das lange Zeit der Fall war – Stichwort nachhaltiges und ehrliches Employer Branding. Das bedeutet für den Personalmanager von heute ein mehr an Anstrengung und Herausforderung.

Welchen Stellenwert hat die Ausbildung im Bereich Personal?

Die Ausbildung legt den Grundstein, das Fundament für den späteren Karriereverlauf. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Ausbildung sich auch vorausschauend auf die neue Marktsituation anpasst. Um nur ein Beispiel zu nennen: Zukünftig wird im Recruiting weiter vermehrt auf Big Data und automatisierte Auswertungen & Prognosen gesetzt werden. Es werden daher auch andere und sich ändernde Skills von Personalmanagern verlangt. Zu empfehlen sind für alle angehenden Personalisten daher auch Praktika in modernen HR-Abteilungen, die einen Einblick in die Praxis ermöglichen.

Welche fachlichen und digitalen Anforderungen haben Sie an junge Nachwuchskräfte für den Einstieg in der Branche?

Neben dem klassischen Handwerkszeug und Denken in digitalen Prozessen ist vor allem auch ein technisches Verständnis notwendig. Wie eingangs schon erwähnt, wird es im Personalbereich auch neue Berufsbilder im Bereich Big Data geben. Für junge Nachwuchskräfte ist daher auch ein technisches Grundverständnis notwendig. Wie für sehr viele Bereiche gilt auch im Personalmanagement: Berufsbilder und das Arbeiten an sich im Zuge der Digitalisierung wird sich noch stark ändern, daher sind Flexibilität und die Bereitschaft, Neues zu lernen, wichtiger denn je. Der Personalmanager von heute oder morgen braucht starkes strategisches & vernetztes Denken – es geht nicht mehr „nur“ um das Finden neuer Mitarbeiter. Der Faktor Personal zählt zu den wichtigsten eines modernen & zeitgemäßen Unternehmens.

Welche Karrieremöglichkeiten gibt es im Berufsfeld Personalmanagement?

Das sind aus meiner Sicht die klassischen Felder Recruiting und Personalentwicklung und natürlich alles was mit Employer Branding & Cultural Fit zu tun hat.

Gibt es für Sie als Experte einen aktuell besonders hilfreichen Tipp für Erfolg in der Personalführung im Umfeld der digitalen Transformation?

Nun ja, aus meiner Sicht ist der Faktor Mensch das Ass im Ärmel. Beobachtet man die Situation vieler Unternehmen, so zeigt sich der viel zitierte und zum Teil eklatante Fachkräftemangel einerseits und frustrierte Bewerber auf der anderen Seite, die oftmals klagen keinerlei Feedback zu ihrer Bewerbung zu erhalten. Eine wertschätzende Kommunikation mit Bewerbern und ein ehrliches Auseinandersetzen mit der eigenen Arbeitgebermarke – wer sind wir, wofür stehen wir, was bieten wir und welche Menschen können sich in unserem Unternehmen wohlfühlen – ist unabdingbar. Sind nun die begehrtesten Fachkräfte geangelt, geht es darum die Versprechen auch einzuhalten. Neben einem menschenorientierten Führungsstil, der so zeigen uns Studien, von vielen Unternehmen zwar angeblich Anwendung findet, aber bei Mitarbeitern nicht wahrgenommen wird, braucht es auch eine langfristige Personal- und Entwicklungsplanung für Mitarbeiter. Und zu guter Letzt: die neue und junge Generation am Arbeitsmarkt möchte sinnstiftend und wertgeschätzt arbeiten – das heißt die Mitarbeiter müssen in die Prozesse des Unternehmens mehr Einblick erlangen & eingebunden werden. So kann Personalführung & Mitarbeiterbindung im digitalen Zeitalter gelingen!


Über die Unternehmen

Die Fachhochschule St. Pölten legt großes Gewicht auf die Entwicklung der digitalen Kompetenzen der Studierenden. Die Studiengänge Management & Digital Business (Bachelor) und  Wirtschafts- und Finanzkommunikation (Master) bzw. der Master Lehrgang Digital Marketing vermitteln durch praxisnahe Aus- und Weiterbildung wirtschaftliche und digitale Fähigkeiten als Grundlage für Karriere im Management. Mehr zum Thema Wirtschaft studieren auf der FH St. Pölten finden Sie hier.

StepStone Österreich GmbH ist eine der führenden Online-Jobbörsen und E-Recruiting Companies in Österreich und ist in 20 Ländern weltweit vertreten.

Fotocredits: Margit Hubner Fotografie

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